Im großen Saal läuft ein Rollenspiel „Ist da wirklich gerade ein Stuhl bei euch durch die Gegend geflogen?“, fragt eine Teilnehmerin. Gleich nebenan werden bedächtig Holzfiguren auf eine Sandlandlandschaft gesetzt beim „Godly Play“ und die Caféteria im Souterrain des Hauses der Kirche haben die Schreiner-Gesell*innen für sich erobert – all das ist die Jugendkonferenz 2025. Ein Tag vollgepackt mit Themen rund um die evangelische Jugendarbeit, um den Glauben und um das Zusammenleben in der Gesellschaft – dazu trafen sich rund 50 ehrenamtlich Engagierte aus der evangelischen Jugend Mülheim im Haus der Evangelischen Kirche.
Diskussionen im Plenum und eine Auswahl an Workshops standen für die Ehrenamtler auf dem Programm. Da ging es zum Beispiel um „Predigen für Jugendliche“ oder um „Sex für Geld?! – Mythen, Meinungen, Moral“ oder ganz praktisch: um den Bau einer Sitztribüne für die neuen Jugendräume am Haus der Kirche. Wer sich fit machen wollte für die Vermittlung von Inhalten und die Anleitung von Gruppen, wählte die Workshops „Konfrontation als Methode“ oder „Godly Play“.

In der kurzfristig errichteten Schreinerwerkstatt sind Kevin, Max und Max schon voll bei der Sache. Alle haben schon öfter mal einen Akkuschrauber in der Hand. Das Ziel: Eine Sitztribüne zu bauen für die neuen Jugendräume am Haus der Evangelischen Kirche. „Wie wir es später nutzen, dazu habe ich noch gar keine konkrete Phantasie“, berichtet Max (16), – was ihn nicht daran hindert, mit Akkuschrauber und Säge kräftig zur Sache zu gehen. „Das Arbeiten mit Holz macht mich echt Spaß. Ich baue sonst auch mal gerne Schränke oder andere Möbel zusammen.“ Wenn Max nicht gerade werkelt, betreut er gemeinsam mit anderen als Ehrenamtler die offenen Samstage in der Pauluskirche. Angeleitet werden er und die anderen Teilnehmenden des Bauworkshops von einem Profi. Zimmerermeister Lasse Lautenschläger hat die Caféteria im Kirchenkreis-Souterrain mit mitgebrachten Werkzeugen und vorgesägten Kanthölzern in eine kleinen Schreinerei verwandelt und erklärt, wie man die nötige Stabilität in das Werkstück bringt. Die Phantasie, für das, was aus dem besonderen Möbelstück für die neuen Jugendräume einmal wird, bringt Julian Schäfer, Jugendreferent beim Kirchenkreis, schon mit: „Im Alltag wird die Sitztribüne unser Lounge-Möbel. Wir packen noch gemütliche Polster drauf und haben dann einen Ort, wo man chillen kann. Und für besondere Events stellen wir die Stufen der Tribüne in ebener Fläche zusammen, das nutzen wir für Spiele- oder Quiz-Abende oder vielleicht mal für kleine Auftritte.“

In der Pause zwischen den Workshops treffen sich die Ehrenamtlichen im Foyer des Altenhofs, Eindrücke werden fleißig ausgetauscht. „Mega“, findet Joel den Workshop, aus dem er gerade kommt. Der 19-Jährige ist FSJler in der Kirchengemeinde Broich-Saarn. Sein leicht zerzauster Schopf und die geröteten Wangen lassen ahnen, dass er tatsächlich mit Haut und Haaren dabei war. Es ging um „Konfrontation als Methode“ – der Workshop mit den lebhaften Rollenspielen. „Das war klasse, weil die Methode direkt auf unsere praktische Arbeit bezogen wurde. Ich habe jetzt schon Ideen im Kopf, wie man damit weitermachen kann und mich gerade über die Anwendung in einer unserer Gruppen ausgetauscht.“ Ein Clou, den er aus dem Seminar mitnimmt: „Bei Konflikten nicht so sehr auf den ,Täter‘ fokussieren, sondern vor allem zuerst die Betroffenen schützen.“
Ganz anders wars im Nachbarworkshop. „Schön viel Ruhe“, das schätzt Teilnehmerin Lilly (22) am Godly Play. „Ich wollte wissen, was dahintersteckt“, erklärt die angehende Lehrerin ihre Workshopwahl. „Und jetzt kann ich mir richtig gut vorstellen, das auch einmal im Unterricht einzusetzen. Referent Pfarrer David Ruddat (Hackhauser Hof) nahm die Teilnehmenden mit in die besondere Art, in biblische Geschichten einzutauchen. Dabei helfen die vorbereiteten Sets an Materialien und Figuren, mit deren Hilfe spielerisch erzählt wird. Auch Lina (17) kommt begeistert aus dem Workshop, der ihr einen neuen Zugang zu biblischen Themen gezeigt hat: „Man kann sehr viel mitnehmen, auch persönliche Themen wiederentdecken, die einem auf dem Lebensweg schon begegnet sind.“

Noah (20) hat den Workshop „Sex für Geld – Mythen Meinungen, Moral“ besucht und findet es „toll, dass wir hier über Themen sprechen können, über die man sonst nicht viel spricht. In der Gruppe konnten wir offen miteinander sein und auch viel Wissen mitnehmen. Ich glaube, dass Aufklärung wichtig ist. Wenn es nicht so ein Tabuthema wäre, könnte man auch viel besser politisch gegen Menschenhandel vorgehen.“
Neben und nach den Workshops kamen die Teilnehmenden der Jugendkonferenz immer wieder im Plenum im großen Tagungssaal zusammen. Ein gemeinsames Essen und ein politisches Nachtgebet rundeten den Tag ab. Nicht zuletzt wuchsen auch Zukunftspläne: Die Mülheimer Ehrenamtlichen stimmten sich ein auf den großen Jugendkongress in Aachen im kommenden Jahr, bereiteten sich auf die Gründung eines eigenen evangelischen Jugendverbands vor und sammelten in Kleingruppen viele Ideen für die Nutzung der neuen gemeinsamen Jugendräume am Haus der Kirche – auf der frisch gezimmerten Sitztribüne wird es kaum langweilig werden.
- Annika Lante
- Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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