Das Thema soziale Gerechtigkeit wird Schwerpunkt einer Predigtreihe in mehreren evangelischen Kirchen in der Stadt zu Jahresbeginn 2019. „Auch im Jahr 2019 im vergleichsweise wohlhabenden Deutschland hängen die Chancen eines Menschen immer noch von seiner Herkunft ab. Damit können wir uns nicht abfinden“, sagt Superintendent Gerald Hillebrand, der sich auch mit eigenen Predigten an der Reihe beteiligt. Mit den Chancen auf soziale Gerechtigkeit und Teilhabe in der eigenen Stadt hatte sich die Synode des Kirchenkreises An der Ruhr im vergangenen Juni befasst. Nun tragen Pfarrerinnen und Pfarrer des Kirchenkreises das Thema auch in den Gottesdiensten (Termine s.u.) weiter.
Sozialdezernent Ernst hatte in seinem Vortrag vor der Kreissynode An der Ruhr auf die soziale Spaltung der Mülheimer Stadtgesellschaft hingewiesen. Anders als in anderen Ruhrgebietsstädten gebe es sowohl deutliche Wohlstands- als auch Armutsindikatoren. Soziale Benachteiligung konzentriere sich in Mülheim ganz besonders in einigen Stadtteilen: Eltern haben dort eher niedrige Bildungsabschlüsse und sind häufiger ohne Arbeit, die Kinder haben einen schlechteren Gesundheitszustand, besuchen nur kurz die KiTa und gehen seltener in Sportvereine. So haben sie weniger Chancen auf Bildungserfolg. Doch es lohne sich hier anzusetzen. „Da geht was“, so der Dezernent. Je früher man mit der Förderung beginne, umso wirksamer seien die Maßnahmen.
Jan Orlt, Referent für Wohnungslosenhilfe bei der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, kritisierte auf der Mülheimer Kreissynode die Entwicklung, dass Wohnraum zu oft bloße Geldanlage sei. „Das macht den Einzelnen machtlos und lässt die Politik sehr vorsichtig agieren.“ Orlt führte aus, dass es aktuell sechs bis neun Monate braucht, um eine neue Wohnung zu finden. Dieser Wert lag vor 2017 noch bei drei bis vier Monaten. Wer günstigen Wohnraum sucht, rücke nur langsam auf den Wartelisten der Wohnungsbaugesellschaften nach vorne. Orlt ermutigte kirchliche Träger, eigene Schritte zu unternehmen, sich zum Beispiel für die Renovierung nicht genutzten Wohnraums einzusetzen oder selber als Bauträger aktiv zu werden.
- Annika Lante
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