Pressemitteilung

Gerhard Tersteegen 1697 - 1769

  • 26.11.2018

Vor 250 Jahren, am 3. April 1769, verstarb der pietistische Prediger, Autor und Lieddichter Gerhard Tersteegen in Mülheim an der Ruhr. „Gott ist gegenwärtig“, ist eines seiner bekannten Lieder, die Protestantinnen und Protestanten heute noch auch über den deutschsprachigen Raum hinaus in Gottesdiensten singen. „Ich bete an die Macht der Liebe“, ein weiteres Lied aus der Feder Tersteegens, ist als Teil des Großen Zapfenstreichs bekannt.

Der gebürtige Moerser Tersteegen war ursprünglich nach Mülheim gekommen, um bei seinem Schwager eine Kaufmannslehre zu machen, wenn auch das Bibelstudium ihm von Beginn an näher lag. Später arbeitete er zwecks Broterwerb als Bandweber, auch persönliche Mäzene unterstützten ihn, damit er seiner theologischen Tätigkeit als Autor, Prediger und Lieddichter nachgehen konnte. Sein Liederbuch „Geistliches Blumengärtlein Inniger Seelen“ ist Tersteegens am weitesten verbreitete Schrift. Außerdem legte er die Bibel aus in seinen zahlreichen Korrespondenzen, aber auch unmittelbar in der Begegnung mit seinen Anhängern. Es wird überliefert, dass zeitweise so viele Menschen zu seinem Wohnsitz im heutigen Tersteegenhaus nahe der Petrikirche in der Mülheimer Altstadt kamen, dass sogar von draußen noch Menschen dem Prediger zuhörten. Pietisten wie Tersteegen rücken die individuelle Frömmigkeit in den Fokus des Glaubenslebens. Das tägliche Bibelstudium beispielsweise war für Tersteegen essenziell. Für ihn war das Evangelium im Lesen ganz direkt erfahrbar, die Bibel sah er als einen „vom Himmel zugesandter Liebesbrief Gottes“, den man „betend lesen und lesend beten“ müsse – eine Ansicht, die sich stark unterschied vom später gängigen historisch-kritischen Zugang zu biblischen Texten. Aus dem Pietismus erwuchsen im 19. Jahrhundert Erweckungsbewegungen und evangelikale Strömungen des Protestantismus, die heute in verschiedenen Freikirchen beheimatet sind.