Pressemitteilung

Begegnung in Bossey

  • 18.03.2019
Ökumene-Studiengruppe in Bossey

Bossey – „Ecumenical movement is about encounter. And that’s what we do here in Bossey.“ – „In der ökumenischen Bewegung geht es vor allem um Begegnung. Und das ist es, was wir hier in Bossey tun“ – so brachte es Dr. Benjamin Simon, Professor für Ökumenewissenschaften und Interkulturelle Theologie am Ökumenischen Institut des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Bossey in der Nähe von Genf, auf den Punkt. Und zu einer ganz besonderen Begegnung wurde dann auch der Besuch eben jenen Instituts für eine Gruppe rheinischer und westfälischer Theologinnen und Theologen unter der Leitung von Ursula Thomé, Ekkehard Lagoda und Claudio Gnypek.

Insgesamt neun Pfarrerinnen und Pfarrer, ein Diakon sowie eine Lehrerin für Religion und Mathematik waren im Rahmen einer Fortbildung des Pastoralkollegs nach Bossey gereist, um sich einen aktuellen Einblick in die Arbeit des ÖRK zu verschaffen. Im Mittelpunkt stand unter anderem die Begegnung mit Studierenden – jedes Jahr absolvieren rund 30 Studierende für jeweils zwei Semester den so genannten Masterstudiengang „Master of Advanced Studies in Ecumenical Studies“ am Institut. Und nicht nur dabei treffen in Bossey Menschen unterschiedlichster Herkunft und Konfession aufeinander – evangelisch, katholisch, orthodox, aus Indien, Nigeria, dem Kongo, oder aus Armenien – in Bossey finden sie sich auf einmal in einer Begegnung wieder, mit der sie so vielleicht nicht gerechnet hätten. „In Bossey I have discovered that difference is possible“, berichtete einer der master students, der in seinem Heimatland Nigeria als anglikanischer Dekan einer Hochschule tätig ist. Ein orthodoxer Student, ein Mönch aus Rumänien, fasste seine Zeit in Bossey so zusammen: „It’s a beautiful, but also challenging experience.“ Und das „Geschenk Bosseys“ – „the gift of Bossey“ sei es, dass sehr unterschiedliche Menschen aus aller Welt hierherkämen und versuchten, als „Familie“ zu leben. „And it’s not easy, like in every family, but we try to overcome the differences.“ – „Und das ist nicht einfach, wie in jeder Familie, aber wir versuchen, die Unterschiede zu überwinden.“

 

Eine lebensverändernde Erfahrung

„To overcome the differences“ – all die Unterschiede, die sich aus Herkunft, Kultur und Konfession, ja auch Religion, ergeben, gemeinsam zu überwinden, dafür warb auch Professor Dr. Fr Joan Sauca, der Direktor des Ökumenischen Institutes, rumänisch-orthodoxer Theologe. Dabei sei dies vor allem auch eine Frage des Vertrauens, so Sauca weiter. Vertrauen aber könne nur entstehen, wenn man genau wüsste, woran man bei seinem Gegenüber sei. Im Gespräch mit dem Institutsdirektor wurde schnell deutlich: Ein aus falsch verstandener Toleranz undeutliches, gar schwammig bleibendes Profil sei im Miteinander eher hinderlich. Es gelte vielmehr, deutlich Profil zu zeigen, damit keine „versteckten Absichten“ vermutet werden könnten. Wichtig sei eine „open identity“, eine offene, klar erkennbare Identität – und dann würde durchaus offenbar, dass „at the end of the day we’re all christians“, dass „wir am Ende eines Tages alle Christen sind“, so Sauca. In Bossey sei all dies erfahrbar, nicht selten mit weitreichenden Konsequenzen: „Bossey is a life changing experience“- „Bossey ist eine lebensverändernde Erfahrung“, wusste der Direktor zu berichten.

 

Mission stellt unser Leben auf den Kopf

Hört man all dies, so stellt sich dabei schnell auch die Frage nach dem Verständnis des Begriffs „Mission“. Dazu kamen die Gäste mit Benjamin Simon ins Gespräch, der betonte: „Mir ist es wichtig, den Begriff zu rehabilitieren. Und anders zu füllen.“ Denn der Begriff werde nach wie vor sehr unterschiedlich verstanden. Dabei gehe es aber eben nicht um Konversion, so Simon. Vielmehr seien die drei Säulen der Mission Sendung, Übersetzung und Veränderung. Dabei bedeute das erste die Fähigkeit, sprachfähig zu sein und vom eigenen Glauben erzählen und Zeugnis geben zu können. Die zweite Säule betone vor allem das kontextuelle Verständnis, und letztere bedeute, so Simon, die vorhandene Welt und Struktur konkret zu verändern: „Mission stellt unser Leben auf den Kopf“. Es gelte, einen Beitrag zur Realisierung des Reiches Gottes zu leisten – und dabei immer kontextuell zu bleiben, also alle Unterschiede in Tradition, Herkunft und Kultur nicht aus dem Blick zu verlieren.