Eigentlich wollte er ja mal Journalist werden. Comedian hätte auch gepasst. Nach wenigen Augenblicken hatte Pastor Jonas Goebel das Publikum im Mülheimer Altenhof für sich gewonnen. Der Hamburger Autor (Jesus, die Milch ist alle“) und Theologe war im Rahmen der „Mut!“-Themenreihe zu Gast beim Kirchenkreis An der Ruhr.
Jonas Goebels Bücher erzählen davon, wie es wäre, mit Jesus Tür an Tür zu leben, zum Beispiel als Mitbewohner in einer WG. Ganz nahbar, wie die Buchtitel nahe legen („Jesus, Füße runter“), aber auch ganz schnell im deep talk, wie Goebel im ersten gelesenen Kapitel zeigt. „Energy“ heißt das und dreht sich um eine Nachtbusfahrt des Erzählers, („ja, die Geschichten haben einen biografischen Hintergrund“), zum Hamburger Hauptbahnhof – natürlich gemeinsam mit Mitbewohner Jesus. Zwischen Wodka Gorbatschow und „Energyyyy“ (so der Schlachtruf zum Getränk der mitreisenden Party People) kommt der Busreisende mit der 2000-Jährigen Lebensgeschichte mit den jungen Weggefährt*innen ins Gespräch. Und das führt vom fremdknutschenden Kevin tatsächlich zu Gebetsgewohnheiten und persönlichen Geständnissen – „hab ich auch schon mal gebetet“, „ja früher immer mit der Oma“.
„Challenge für mich“, schiebt der lesende Pastor im Mülheimer Haus der Kirche ein: „Wie begegnen wir als Gemeinde Menschen auf Augenhöhe?“
So geht es munter weiter bei der Lesung in Mülheim. Das Publikum hört Episoden vom Rom-Trip mit Jesus. Und lernt, dass Gottes Sohn mit dem Kreuz als Symbol doch ein wenig fremdelt – „Ich mag mich nicht immer so leidend sehen“, auch das Thema Missbrauch in der Kirche wird nicht ausgespart.
Beim Pizza-Essen in Rom, wie konnte es anders kommen, holt Jesus natürlich einen Bettler an den gemeinsamen Tisch. Jonas Goebel dazu: „Wir brauchen Menschen, die den besten, den lebensverändernden Wein für unsere Gäste bestellen – ganz besonders für die, die etwas müffeln.“
Entstanden sind die Jesus-Geschichten als Basis für die eigene Predigt, berichtet Jonas Goebel seinem Publikum. „Ich habe mir gedacht, wie wäre es, wenn ich Jesus direkt fragen könnte: ,Hömma, wie ist denn das jetzt mit Iran, mit Donald, wie siehst du das?‘“. Theologische Fundierung für den Jesus aus Goebels Buch-Reihe liefern die Evangelien. „Ich bin sie durchgegangen und habe herausgefiltert, was über Jesus geschrieben wurde und wo noch Leerstellen sind.“ Die hat der Autor dann gefüllt, teils ableitend aus dem Bibeltext und teils mit Phantasie. So kann der Buch-Jeus etwa auch durch Wände gehen oder Gedanken lesen, sogar über Meter hinweg und ohne Sichtkontakt, wie der verblüffte Ich-Erzähler im Bericht über die Rom-Reise feststellen muss.
Das Mülheimer Publikum lässt sich gerne mitnehmen auf diese Reise und bringt im Gespräch mit dem Autor eigene Positionen und Gedankenspiele ein. So geht es schnell um die Ökumene, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen evangelisch und katholisch (in der Theologie und im Herzen) oder um Frauenordination.
Nicht nur die Gelegenheit zum Gespräch hatte der Autor Zeit mitgebracht, Jonas Goebel bleib auch, um zahlreiche Bücher zu signieren.
„Mut!“-Veranstaltungsreihe
Der Abend ist Teil der „Mut!“-Veranstaltungsreihe des Kirchenkreises An der Ruhr. Infos auf: https://kirche-muelheim.de/mut-2026/
Die Reihe wird unterstützt durch die Buchhandlung Hilberath & Lange, die jeweils mit einem Büchertisch präsent ist.
Nächste Termine im Rahmen der Reihe:
- Dienstag, 14. April, 19.30 Uhr, Lesung und Gespräch mit Natascha Sagorski „Jede dritte Frau“
- Donnerstag, 23. April, 19.30 Uhr, Lesung und Gespräch mit Gilda Sahebi „Verbinden statt spalten“
Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei. Es besteht die Möglichkeit, für einen diakonischen Zweck zu spenden.
- Annika Lante
- Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
- 0208. 3003-104
- lante@kirche-muelheim.de






