„Seid wachsam“, die bleibend aktuelle Weisung aus dem Petrusbrief stand im Mittelpunkt des Pogromgedenkgottesdienstes mit Superintendent Michael Manz im Dümptener Gemeindehaus an der Matthäuskirche. „Was sich in der Nacht vom 9. Auf dem 10. November 1938 ereignet hat, prägt unser kirchliches Erinnern und Handeln auf alle Zeit“, so machte Superintendent Manz den Stellenwert des Gedenktages zu Beginn des Gottesdienstes deutlich.
Ein Stein wird in eine Scheibe geworfen. Und dann gehören weder zum Stein noch zur Scheibe ein Gesicht. Eine solche Szene fehle in keinem Film über die Pogrome, schreibt Shida Bazya in ihrem jüngst ausgezeichneten Buch „Die Lücke“, aus dem Superintendent Manz im Gottesdienst einen Auszug vortrug. Werfer und Betroffene bleiben in einer solchen Szene anonym.

„In der Anonymität berührt das nicht“, führte Superintendent Manz in seiner Predigt aus. Das ändere sich dann, wenn beide Seiten ein Gesicht bekämen, in Beziehung träten. „Und wenn beide Seiten sich wirklich bemühen, dann kann vielleicht der nächste Wurf verhindert werden. Dann kann vielleicht Versöhnung erfolgen.“
Aber in der deutschen Geschichte war es anders: „Viele haben zugesehen. Kannten sowohl den, der geworfen hat, als auch die Getroffenen. Es fehlte die Einsicht, dass man mit dem Nicht-Hinsehen selbst mit Hand anlegte.“
Auch heute seien das Hinsehen und die von Petrus (1.Petr 5,8-9) geforderte Wachsamkeit gefragt. Superintendent Manz verwies auf die Mitarbeitenden in der Kirche Sachsen-Anhalts, die nun konkrete Vorkehrungen für die Sicherheit der Menschen im Kirchenasyl treffen.
Und schloss mit den Worten des ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm nach denen Widerstand aus dem Glauben heraus, Vernunft und Wachsamkeit die „erste Brandmauer in dieser Zeit“ bilden.
Den würdigen musikalischen Rahmen des Gottesdienstes gestalteten Kirchenmusiker Boris Schmittmann (E-Piano) und Annette Maye, die Klezmer-Musik auf der Klarinette spielte.

