Mitgestalten und Hoffnung teilen - Verabschiedung von Gundula Zühlke

  • 08.09.2026

Seit Ostern 2000 war Gundula Zühlke Pfarrerin in Mülheim-Dümpten. Nun laden die Evangelische Lukaskirchengemeinde und der Kirchenkreis An der Ruhr am Sonntag, 4. Oktober, um 14.30 Uhr zum feierlichen Gottesdienst zu ihrer Verabschiedung in den Ruhestand in die Matthäuskirche an der Oberheidstraße 229 ein. Für die Pfarrerin in der Lukaskirchengemeinde und Assessorin (stellvertretende Superintendentin) im Kirchenkreis kommt der Abschied aus dem Dienst unverhofft und vorzeitig. Ihre im vergangenen Jahr diagnostizierte Erkrankung an der neurodegenerativen Krankheit ALS lässt keine Wahl. Im Gespräch blickt sie auf ihr Berufsleben, insbesondere die Zeit in Mülheim, zurück.

Pfarrerin und Assessorin Gundula Zühlke

„Eigentlich bin ich gar nicht gekommen, um so lange zu bleiben“, hält Gundula Zühlke in der Retrospektive fest. Nach Vikariat und Hilfsdienst in Krefeld-Hüls hatte sie im Westerwald ihre erste Pfarrstelle angetreten. Im Jahr 2000 war sie mit ihrer fünfköpfigen Familie nach Mülheim gezogen. „Doch hier erwarteten mich immer wieder neue Herausforderungen, zum Beispiel unsere Gemeindefusion zur Lukaskirchengemeinde 2011 mit rund fünf Jahren Verhandlungen zuvor.“ Sowohl in der Gemeinde als auch im Kirchenkreis übernahm die Theologin immer wieder Verantwortung in Leitungsaufgaben, zuerst als Vorsitzende des Dümptener Presbyteriums, später dann im Bevollmächtigtenausschuss und Presbyterium der fusionierten Lukasgemeinde. Dem Kreissynodalvorstand des Kirchenkreises gehörte sie seit 2012 als Skriba (2. Stellvertreterin des Superintendenten) und seit 2022 als Assessorin an, brachte auch ihre erarbeitete Expertise in den Bereichen Finanzen und Verwaltung ein. „Ohne das funktioniert Leitungsarbeit einfach nicht“, findet sie. Dass die finanziellen Möglichkeiten von Kirche dabei kontinuierlich zurückgingen, hat sie nicht geschreckt. „Man muss aus ganz wenig viel machen, ich habe das Pfarramt gar nicht anders kennengelernt“. Bei allen Veränderungen und Leitungsentscheidungen nennt Gundula Zühlke „Respekt und Ehrlichkeit im Umgang miteinander“ als menschliche Grundpfeiler, die ihr unverzichtbar sind.

Wichtiger Baustein ihres Glaubens ist für die Pfarrerin eine „Theologie der Hoffnung“, so wie sie sich im Römerbrief ausdrückt. „Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder“, heißt es da (Römer 8, 14). „Für mich ist der Geist Gottes etwas, das mich vorantreibt, das mir hilft, nicht den Kopf in den Sand zu stecken, weil Gottes gute Zukunft, sein Reich, auf uns wartet.“, erklärt sie. „Gottes Geist gibt mir die Kraft, im Hier und Jetzt Dinge zu tun.“ Was der Glauben im Hier und Jetzt bedeutet, das hat die Assessorin immer wieder neu ausbuchstabiert in den zahlreichen Veränderungs- und Gestaltungsprozessen im Kirchenkreis und als Pfarrerin – zum Beispiel im Konfi-Unterricht und gemeinsam mit dem „KiKiT“ (Kirche für Kinder und Teens)-Team. Zühlke: „Den Konfis braucht man nicht mit vorgefertigten Glaubenssätzen kommen. Man wird in jeder Stunde neu herausgefordert, Antworten zu finden, die auch jugendliche Ohren verstehen.“ Wichtig war es Gundula Zühlke, vieles im Gespräch mit den Jugendlichen zu entwickeln. „Und wenn man sein Gegenüber auf Augenhöhe ernst nimmt, weiß man auch vorher nicht, wo das Gespräch hinführt.“ An lebendige und intensive Glaubensgespräche erinnert sie sich auch in den Treffen des KiKiT-Teams, wo immer hartnäckig nachgefragt wurde.

Pfarrerin Gundula Zühlke vor der Matthäuskirche (Bild: Jan van Hulzen)

Als Höhepunkte im Gemeindeleben erinnert sich Pfarrerin Zühlke an die Festivitäten zum 125-jährigen Bestehen der Dümptener Kirche, die später zur Matthäuskirche umbenannt wurde. Im Frühjahr 2017 wurde in der Kirche zu musikalischen Beiträgen festlich getafelt. Im Sommer wurde „Hochzeitsfest“ gefeiert, wozu Eheleute persönlich eingeladen waren, die einst in der Kirche geheiratet hatten. „17 Paare sind schließlich mit uns in die Kirche eingezogen, das war toll“, erinnert sich die Dümptener Pfarrerin. Im Oktober gab es noch einen festlichen Jubiläumsgottesdienst. Prägend für ihre Zeit in der Gemeinde war auch der grundlegende Um- und Ausbau der KiTa Kunterbunt für die U3-Betreuung. Auch im Hilfsdienst und der ersten Pfarrstelle hatte sie Neu- und Umbauten von Gemeindehäusern begleitet.

„Besonders schön war das Arbeiten immer“, erinnert sich Gundula Zühlke, „wenn Menschen Kirche als Ort entdeckt haben, an dem sie sich gerne einbringen. Wenn jemand für sich herausfindet: Hier kann ich gut mitmachen und etwas bewirken.“ So wird für Pfarrerin Zühlke die Gemeinde zu einem „Ort, wo Gottes Ehre wohnt“, so heißt es auch in ihrem Konfirmationsspruch aus Psalm 26: „Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt“. Gut verzichten kann Gundula Zühlke im Nachhinein auf Situationen, „wenn man mit Menschen zusammen sitzt und eigentlich niemand etwas bewegen oder verändern will.“ Auch den ständigen Zeitdruck des Berufslebens, wo immer der nächste Termin ansteht, und das Gefühl, dass immer etwas zu kurz kommt, das vermisst sie nicht.

Die Arbeit, aus der die Pfarrerin und Assessorin quasi aus vollem Lauf ausgeschieden ist, fehle. „Aber der Abschied fällt trotzdem nicht schwer. Es geht gar nicht anders, der reine Alltag fordert nun meine Kraft.“ Die Frage nach dem „Warum“, stelle sie sich nicht, sagt Gundula Zühlke. „Da frage ich eher ,Warum nicht?‘ Mich kann die Krankheit ALS mit der gleichen Wahrscheinlichkeit treffen wie andere Menschen. Ich sehe das nicht als Gottes Plan.“ Was ihr Halt gebe, sei der Glauben daran, dass „uns nichts scheiden kann von der Liebe Gottes“.

  • Annika Lante
  • Red