„Geborgen sein, verantwortlich leben, erwartungsvoll hoffen“

Düsseldorf. Vom 11. bis 16. Mai spricht der leitende Geistliche der Evangelischen Kirche im Rheinland, Präses Dr. Thorsten Latzel, bei Kirche im WDR in persönlichen Worten unter anderem darüber, warum Himmelfahrt aktuell wichtig ist.

In den Sendungen von „Kirche in WDR 3, 4 und 5“ in der Himmelfahrts-Woche widmet sich Präses Dr. Thorsten Latzel individuellen und politischen Krisen: Einsamkeit, Sorgendruck, Schlaflosigkeit, Hass im Netz, Friedensfähigkeit – und der Frage, wie christlicher Glaube in alledem Halt, Heimat und Hoffnung geben kann. „Glaube ist wie Muttersprache“, sagt Latzel. Er vermittle ein Urvertrauen in Gott. Das könne helfen, auch anderen und sich selbst zu vertrauen und mit der Verletzlichkeit des Lebens umzugehen.

Der dreifache Sinn von Himmelfahrt

„Christi Himmelfahrt beschreibt nicht den Rückzug Gottes aus der Welt, sondern eine neue Form seiner Gegenwart“, so der rheinische Präses. Das Fest habe einen tiefen dreifachen Sinn, gerade angesichts der Krisen unserer Zeit:

  1. Im Zentrum des Festes stehe das Vertrauen, überall in Gott geborgen zu sein. „Der ‚Himmel‘, in den Christus ‚auffährt‘, ist nicht irgendwo oben in den Wolken, sondern in meinem eigenen Leben, in der Welt, die mich umgibt. Das alles ist nun durch die Liebe bestimmt, die Jesus Christus auf Erden gelebt hat.“
  2. Himmelfahrt ziele darauf, als Menschen verantwortlich zu leben. „Gott gibt uns Menschen Raum, nimmt uns in die Verantwortung und richtet unseren Blick neu auf die Erde.“ Himmelfahrt bedeute daher keine Abkehr von der Welt, sondern gerade, geerdet zu leben.
  3. Und Himmelfahrt heiße, hoffnungs-, erwartungsvoll zu sein im Blick auf das, was noch komme. „Himmelfahrt steht für mich für eine Lücke. Da ist noch etwas offen. Eine Sehnsucht, eine unerfüllte Erwartung. Das merke ich jeden Tag – spätestens, wenn ich die Nachrichten lese. Ich bin noch nicht fertig. Das Leben, die Welt sind noch nicht fertig: weil es weiter viel zu viel Hass und Gewalt gibt.“

„Und ich will mich nicht zufriedengeben, bis Gottes Friede überall sichtbar da ist. Christi Himmelfahrt drückt so eine Sehnsucht meines Lebens aus.“

Der Himmel als Gegenwart Christi – überall in der Welt

Himmelfahrt erinnere daran, dass der Himmel nicht als ein ferner, jenseitiger Ort zu verstehen sei, sondern als Gottes Wirklichkeit, die das Leben hier und jetzt umfange. Präses Latzel sagt: „Himmelfahrt, das heißt für mich: Überall bin ich in Christi Liebe geborgen – so wie in der Luft, die mich umgibt. Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer hat das während seiner Gefangenschaft in einem Lied so ausgedrückt: ,Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.‘ Das hilft mir, anders mit Absurditäten und Sinnlosigkeiten dieser Welt klarzukommen.“

Stichwort 1: Himmelfahrt

Die christlichen Kirchen feiern an Christi Himmelfahrt 40 Tage nach Ostern die Rück-kehr Jesu Christi zu Gott. Darin vollendet sich Jesu irdisches Wirken und drückt zu-gleich eine neue Form seiner Gegenwart aus. Die biblische Überlieferung (Luk 24 bzw. Apg 1) betont, dass Christus nun „beim Vater“ ist und so überall präsent sein kann. Es ist ein Freudentag, der Hoffnung auf das ewige Leben schenkt und zugleich die Sendung des Heiligen Geistes an Pfingsten vorbereitet.

 

  • 08.05.2026
  • Martin Brandt
  • EKiR/Dominik Asbach