31 Segnungen, 17 Trauungen, 37 angemeldete Paare und elf spontan vorbeigekommene, 14 Pfarrer*innen und Prädikantinnen, neun Musiker*innen sowie weitere Sänger*innen – insgesamt rund 60 Akteurinnen und Akteure von Anmeldung bis Abbau, von Kaffee bis Slush-Ice – das war die erste Mülheimer Pop up Hochzeit in Zahlen. Wer sich am Samstag, 27. Juni, in der Mülheimer Altstadt bewegte, blickte in viele glückselige Gesichter.
Rund um die Mülheimer Altstadt konnten sich Paare segnen oder trauen lassen: in der Petrikirche, am Ruhrufer, im Café „das Kaff“, in der Kapelle des Evangelische Krankenhauses oder hoch oben im sonst nicht zugänglichen Altenhof-Turm. Der Evangelische Kirchenkreis An der Ruhr reihte sich ein in die bundesweite Aktion der evangelischen Kirche unter dem Titel „Einfach heiraten“.


Sich segnen oder trauen lassen, das ging bei der Pop-up-Veranstaltung ganz spontan. Manchmal sehr spontan. Jonas Konz (28) ahnte nicht, warum er am Samstagmittag bei sommerlicher Hitze ein weißes Hemd anziehen sollte, vertraute aber seiner Freundin Sarah – und landet mit ihr gemeinsam bei der Pop-up-Hochzeit und schließlich vor dem Glücksrad, das bei der spontanen Auswahl des Segensspruches half. „Ich bin gläubig, er nicht ganz so“, erklärt Sarah die persönliche religiöse Ausgangslage. Genau das richtige Event fand sie – und landete auch bei Jonas einen Treffer: „Das ist voll in Ordnung hier“. Ihren Segen bekamen die beiden wenig später im Café.

Bis Mitternacht wachgeblieben, um ja einen Segenstermin abzubekommen, sind Claudia und Kirsten Denkhaus. Sie waren gleich dabei, als die Mülheimer Online-Anmeldung zum Valentinstag startete – wie übrigens rund 30 weitere Paare. So viele Segens-Slots waren zunächst freigeschaltet – und binnen zwei Tagen ausgebucht. „Wir brauchten auf jeden Fall einen Segenstermin“, berichten Claudia und Kirsten – und ihren Wunsch-Segensort, die Petrikirche, haben sie auch bekommen. „Wir sind seit sieben Jahren zusammen“, berichten die beiden Frauen, „und wollten unbedingt mitmachen. Unsere standesamtliche Hochzeit haben wir groß gefeiert. Und das hier haben wir jetzt nur für uns gemacht. Es ist übrigens toll, dass wir hier dabei sein können und genau das gleiche bekommen wie auch Hetero-Paare.“

Im perfekt abgestimmten Outfit, sie im bunt gemusterten Sommerkleid, er mit passender selbstgemachter(!) Krawatte mit vom Kleid eingescannten Muster, kommen Werner Hasse und Christiana Eiben-Hasse von ihrer Trauung an der Ruhr zurück. „Wir sind ja Glückskinder“, sagt er – nicht, dass jemand einen anderen Eindruck haben könnte. „Es war so anrührend, wir haben uns die ganze Zeit an den Händen gehalten“, berichten der 74-Jährige und die 68-Jährige. „Wir haben ja nur kurz mit der Pfarrerin gesprochen und sind ganz begeistert, wie sie das Wesen unserer Beziehung in so kurzer Zeit in Worte gefasst hat“. In kurzer Zeit wollen die Hasses übrigens auch ihre Lieben zuhause einweihen, in das, was sie gerade eben am Ruhrufer getan haben.

„Ein bisschen aufgeregt“ ist er schon, gibt Detlef Berghan (68) zu. Als eines der ersten Paare haben sich Berghans online zur Trauung angemeldet. Vor 32 Jahren haben Detlef und Andrea standesamtlich geheiratet, mit über 100 Gästen. „Damals hatten wir mehr mit dem Drumherum zu tun als mit uns selber. Und das heute machen wir nur für uns.“

„Unsere standesamtliche Hochzeit ist schon lange her“, sagt Nicole Haertel, die in ihrem Brautstrauß drei rote Rosen eingebunden hat, je eine für jedes Jahrzehnt der Beziehung. „Aber heute, das ist das I-Tüpfelchen“. Im Altenhof-Turm hat sie ihren Mann Tobias geheiratet. Der ist dankbar, dass er seine kirchliche Trauung „völlig komplexitätsreduziert“ erleben konnte. „Wir haben vom Livemusiker eine Playlist bekommen mit zehn Titeln. Das ist super. Sonst hätte ich zu Hause wochenlang herumüberlegt, was denn gespielt werden soll.“ Nicole freut sich währenddessen über das heiter-gelöste Miteinander auf dem Vorplatz der Petrikirche. Hier kamen alle Paare zunächst zur Anmeldung und fanden sich später wieder ein, um nach der Zeremonie ihre Urkunde abzuholen. „Mir geht das Herz auf, wenn ich die anderen Paare hier sehe“, sagt Nicole. „Alle sind so gekommen, wie sie sind, die einen schick, die anderen mit Hund, der nächste im Rollstuhl – und alle freuen sich mit einem“.
Rund um die Petrikirche gab es bei der Mülheimer Pop-up-Hochzeit einige Annehmlichkeiten, die das Heiraten und gesegnet-Werden noch etwas schöner machten: die Werkstätten der Theodor Fliedner Stiftung boten Brautsträuße und Erinnerungssteine mit Hochzeits- bzw. Segensdatum an. An verschiedenen Ständen konnten sich Paare und Gäste mit Fingerfood, Slush-Ice, Muffins und Getränken stärken. Wer wollte, konnte sich von Profis fotografieren lassen und mache nutzen wie Nicole und Tobias Haertel ein spontanes Angebot zu einem Tänzchen unter erfrischenden kühlen Tropfen von oben. Regen gab es nicht – der Petri-Küster hatte einen Wassersprenger aufgestellt.
