Gottesdienste

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Mittwoch, 20. Februar, 14.30 Uhr
Immanuel-Nicht-Feiglinge
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Mittwoch, 20. Februar, 14.30 Uhr
Kleine Bühne in Dümpten
Gemeindezentrum an der Oberheidstraße

 

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Losung

für den 20.02.2019

Ich breite meine Hände aus zu dir, meine Seele dürstet nach dir wie ein dürres Land.

Psalm 143,6

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Service

Theaterprojekt 'Einfach lebendig: Die Geschichte der Bibel neu erzählt.' von Schülerinnen und Schülern des Theodor-Fliedner-Gymnasiums in Düsseldorf (2017). Theaterprojekt "Einfach lebendig: Die Geschichte der Bibel neu erzählt." von Schülerinnen und Schülern des Theodor-Fliedner-Gymnasiums in Düsseldorf (2017).

Schulalltag

Schule darf mehr Seele haben

Schule hat eine Seele. Oder auch: Schule soll ruhig mehr Seele haben. Das wird deutlich in sechs Blicken auf den Schulalltag. Eine Schülerin und ein Schüler erzählen, ein Lehrer, eine Lehrerin, ein Pfarrer und eine Pfarrerin.

Schule hat viele Gesichter, sie stellt sich unterschiedlichen Ansprüchen und weckt widersprüchliche Erwartungen. Die Wirtschaft geht von fitten Schülerinnen und Schülern mit guten Kenntnissen für Ausbildung, Studium und Arbeitsleben aus. Eltern erhoffen sich ideale Startbedingungen und Aufstiegschancen für ihre Kinder. Bildungspolitikerinnen und -politiker verlangen Qualität, Leistung, Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit, je nach Parteibuch.

Kinder und Jugendliche, Lehrerinnen und Lehrer verbringen einen großen Teil ihres Tages in Schulgebäuden. Schule ist dabei mehr als Unterricht, Lernstoff und Leistungskontrolle. Sie ist auch Lebensraum, sagen die evangelische und katholische Kirche und haben dafür das Motto „Schule hat eine Seele“ formuliert. Auf der Bildungsmesse Didacta werden prominente Gäste aus Kirche und Politik auf Einladung der beiden großen Kirchen über dieses Mehr der Schule diskutieren. Die Didacta findet vom 19. bis 23. Februar in der KölnMesse statt.

Wenn Erfahrungen zusammenschweißen

Was ist die Seele der Schule genau? Was sagen die, die in Schule leben und arbeiten? „Die Metapher wird einem erst bewusst, wenn man mit der Schule schon fast fertig ist oder wenn große Veränderungen anstehen“, sagt Finja Schult, Schülerin im Konrad-Duden-Gymnasium Wesel.

„Die ,Seele‘ einer Schule ist mir bewusst geworden, als wir von der Mittelstufe in die Oberstufe gewechselt sind und sich der Klassenverband aufgelöst hat. Aber auch Klassen- und Kursfahrten bleiben in Erinnerung.“ Ihr Beispiel: „Wenn man vier Stunden bei einem McDonalds strandet, weil der Bus kaputt gegangen ist, oder fünf Kilometer vor Zuhause noch eine Pause einlegen muss, das schweißt zusammen, sowohl Lehrer als auch Schüler.“

Das seien Momente, so Finja Schult, „die für mich die Seele einer Schule ausmachen“. Im schulischen Alltag werde die Seele „immer dann sichtbar – oder könnte es –, wenn Schüler und Lehrer auf Augenhöhe handeln und fair miteinander umgehen“.

Mehr Talentförderung, mehr Seele

Für Moritz Schaefer aus Düsseldorf verleihen Freunde und Mitschüler, die sich zudem sehr lange ihren Spaß am Lernen teilen, der Schule so etwas wie eine Seele. „Allerdings besitzt sie nur eine halbe Seele“, sagt der Abiturient am Luisengymnasium in der NRW-Landeshauptstadt.

Der Grund: “Das Bildungssystem scheint keinen Plan für die Zukunft zu haben und setzt deswegen immer noch auf Elemente aus Preußen, wie die 45-minütige Unterrichtsstunde. Deswegen wünsche ich mir für die kommenden Jahrgänge eine neue Schule, die mehr auf Talentförderung statt Schubladen setzt: Eine Schule mit mehr Seele.“

Ungestillte Bedürfnisse, offene Fragen

Und was sagen die Lehrerinnen und Lehrer zur Metapher von der Schule als Seele? Für Otto Enns ist die Seele ein Bild für die Bedürftigkeit des Menschen. „Vor mir sitzen jeden Tag Menschen, die nicht nur etwas lernen wollen oder müssen, sondern die vor allen Dingen mit ungestillten Bedürfnissen und offenen Fragen kommen, die ein Lernen manchmal unmöglich machen.“

Lernen ermöglichen bedeute also auch, diese Bedürfnisse wahrzunehmen und Raum für Fragen zu schaffen. „Wo das geschieht, da wird Schule zum Lebensraum", sagt der 41-Jährige, der seit 2017 am Berufskolleg für Technik und Informatik in Neuss die Fächer Holztechnik (duale Ausbildung der Tischlerinnen und Tischler) und Evangelische Religionslehre unterrichtet und selbst von Haus aus Tischler ist.

Offenes Ohr für Probleme

Am Berufskolleg Rheydt-Mülfort unterrichtet Esther Nehrling seit zwanzig Jahren die Fächer Wirtschaftswissenschaften und Spezielle Wirtschaftslehren (Handel und Industrie), vor allem im Berufsschulbereich bei den Verkäuferinnen, Verkäufern und Kaufleuten im Einzelhandel. „Unsere Schule hat eine Seele, die aus unserem Kollegium besteht bzw. aus einzelnen Lehrerpersönlichkeiten, die für die Probleme der Schülerinnen und Schüler im beruflichen als auch im privaten Bereich ein offenes Ohr haben, ihnen Hilfestellung jeglicher Art vermitteln und ihre Leistungen würdigen, die sie unter teilweise schwierigen Lebensumständen – familiäre Probleme, Krankheiten, Tod, finanzielle Probleme, Verschuldung – erbringen.“

Unterstützt werden wir dabei von unseren Sozialmitarbeitern und dem Beratungsteam. Ein „mehr“ an Seele kann sie allerdings nicht feststellen. „Das liegt vor allen Dingen daran, dass die Schülerinnen und Schüler maximal drei Jahre zusammen verbringen und eine Gemeinschaft nicht wachsen kann.“

Seele zeigt sich in Grundhaltung und Gemeinschaftserfahrung

Schulwechsel: Dr. Sascha Flüchter ist Schulpfarrer am Theodor-Fliedner-Gymnasium in Düsseldorf, eine der Schulen der Evangelischen Kirche im Rheinland. Die Seele einer Schule zeigt sich für ihn „in der Grundhaltung der Lehrerinnen und Lehrer, in der ihr Menschenbild und ihr Bildungsverständnis zum Ausdruck kommen. Oder in der Gemeinschaftserfahrung innerhalb der Schüler- und Lehrerschaft, aber auch der Eltern, ja überhaupt aller, die am Schulleben beteiligt sind.“

Weiter nennt er die Räume, die Lernorte und Lebensraum zugleich sind, sowie die Lernfelder, die über das rein Stoffliche hinausgehen, weil sie nicht Ausbildung, sondern Menschenbildung im Blick haben. „Die Seele einer Schule ist die Tiefendimension in ihrem pädagogischen Handeln“, formuliert Flüchter kurz und knapp.

„An unseren eigenen, kirchlichen Schulen wirkt das Evangelium als Tiefendimension im pädagogischen Handeln“, sagt er weiter. „An den staatlichen Schulen setzen wir uns als Kirche durch den Religionsunterricht und die Schulseelsorge für die Seele der Schule ein.“

Gemeinschaft stärken, Lebensfragen klären

Auf die Schulseelsorge verweist auch Oberkirchenrätin Henrike Tetz, die Leiterin der Bildungsabteilung im Düsseldorfer Landeskirchenamt. „In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Lehrerinnen und Lehrer eine Qualifizierung für Schulseelsorge sehr erfolgreich bei der rheinischen Kirche abgeschlossen. Nun stehen sie für seelsorgliche Gespräche zu Verfügung und bieten zum Beispiel Andachten oder religiöse Orientierungstage an.“

Tetz weiter: „All dies sind Wege, sowohl einzelne als auch die Gemeinschaft zu stärken und dabei wichtige Lebensfragen zu klären.“ Denn Schule sei ein Ort, an dem alle Themen und Fragen des Lebens ausgesprochen oder auch unausgesprochen vorkommen. Gleichzeitig gehe es darum, gemeinsam verlässliches Wissen zu erschließen und einzuordnen.

„Die Schulseele zeigt sich darin, wie dies beides auf einander bezogen bleibt, so dass Menschen gestärkt und Sachen geklärt werden“, sagt Tetz, die auch Schulpfarrerin am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Düsseldorf gewesen ist.

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ekir.de / Wolfgang Beiderwieden, Foto ekir.de-Archiv / Tobias Kemberg / 15.02.2019



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